Zum Licht

Eine Mini-Erzählung

Die Schlacht beim Stern Rigel-2 war schrecklich.

Während die Psychoenergie-Programmierer verstanden, was vor sich ging, konnten sie einen wirksamen Schutz gegen die psychotropen Horden der Suggestierer finden, die dieses protoplanetare System ebenfalls für sich beanspruchten. Ein Such- und Schock-Geschwader wurde auf der riesigen heißen Sonne abgesetzt, und diese Leute waren, angeblich, durchwegs Freiwillige.

Nachdem die feindlichen Schiffe quer durch den Kosmos vertrieben worden waren, entfernten sich die desolaten Überreste des Geschwaders allmählich von der schrecklichen Hitze des hellblau-weißen Giganten und man begann die Schäden zu reparieren und sich zu erholen.

Allerdings nicht alle…

*   *   *

Die Blockade der dunklen Mächte ist durchbrochen. K_Svetu

Sie ist durchbrochen!

Nun zum Licht, bloß zum Licht!

Er ging durch unwegsamen Dschungel, in denen es von Monstern nur so wimmelte, er ging durch karge Wüsten, durch endlose Steppen, überquerte bodenlose Meere. Er ging trotz der grausamen Schlachten, trotz des Blutes, trotz des Leides und ohne von dem Verlust seiner Kameraden Notiz zu nehmen und trotz des beispiellosen Informationskrieges, der das Licht in Misskredit brachte.

„Ich habe wieder dieses Signal empfangen“, sagte ihm die Navigatorin irgendwann abends am Lagerfeuer. Sie starb später genau auf diesem Gebirgspass. „Es ist kein Licht. Wir werden dort sterben. Und wenn es stimmt?“

Es stimmt! Naja, natürlich! Die Dunklen unternehmen alles, um die Leute vom Licht abzuhalten. Kann man sie nicht vernichten, dann muss man sie betrügen! Sie zombiefizieren die Menschen.

Es reicht. Dieses verdammte Gerät, das immer wieder diese völlig falschen Informationen empfängt…!

„Ja? Weißt du nicht, dass für diese Nachrichten  sieben Arten der Mentaldekodierung zur Anwendung kommen?“, fragte er, „ Sieben! Also schalte deinen teuflischen Apparat aus und mach´ dir keine Sorgen. Oder schmeiß´ ihn besser gleich weg. Denk´ daran, was mit Verrätern und Zauderern passiert! Diese ganze Welt war nicht real! Vergiss´ das nicht! Wir müssen stark sein. Und nichts wird uns vom Weg abbringen…“

Die irdische Zivilisation, der Kosmos, eine mächtige Sternenflotte… Dieses Leben. Alles nicht wahr! Eine Lüge! Ein Test! Das wahre Leben ist hier! Man muss nur ins Licht gehen. ES erreichen! Und dann…!

…Er ging vorwärts. Einfach nur vorwärts. Zum Licht. Zum Leitstern…

Und dort steht er über dem leblosen Körper seiner treuen Helferin, als nur noch ein Schritt zum Licht fehlte. Ein Schritt über den Gebirgspass, von welchen sich schon ein einladender heller Schein erhob. Er hatte keine Wahl. Ihr Glaube bestand die Prüfung nicht.

Sie hätte alles verderben können. Er blieb alleine ohne Mannschaft übrig.

Als nur noch ein Schritt zum Licht fehlte.

Ein Schritt zur Wahrheit, zum Guten, zur Liebe, zur Erlösung, zum ewigen Glück und zur Glückseligkeit. Er wird diesen Schritt machen. Alle seine Freunde waren ums Leben gekommen, doch das war schon völlig bedeutungslos: Das Licht rettet alle. Es wird keinen Krieg mehr geben, keine verehrenden Katastrophen, weder Blut noch Leiden. Er musste nur noch diesen einen Schritt machen. Dorthin, zum Licht. Und er machte diesen Schritt.

Und er erkannte die allumfassende und unbeschreibliche Kraft des weißen Lichts

Und er erblindete.

*   *   *

„Wir haben alles getan, was wir konnten“, erklärte der Hyperlink-Operator dem Flaggschiffkapitän, während teilnahmslos auf dem Bildschirm beobachtete, wie einer der Kreuzer der linken Flanke auf der Oberfläche von Rigel-2 wie ein Streichholz verbrannte. Das riesige Kriegsschiff hatte Kurs direkt auf den Stern genommen. Zum Licht. „Sie hatten keines unserer Signale empfangen. Nichts, was eine Psychotropie der Suggestierer aufzeichnen könnte. Ich konnte mich nicht einmal mit ihnen in Verbindung setzen. Es gab keinerlei Antwort auf die vorübergehende mündliche Verbindung. Offenbar war die Mentalverschlüsselung zu stark. Scheinbar haben sie vor der Explosion die Lichtfilter aus allen solaraufzeichnenden Bildschirmen entfernt. Wir werden jetzt auch nicht mehr erfahren, was mit der Mannschaft passiert ist…“

„Ja.“ stimmte der Kapitän zu, „die Jungs sind völlig durchgedreht. Und auf die Blackbox kann man hier natürlich auch nicht hoffen.“

16. Dezember 2004 – 13. Januar 2005.

      Mykolaiv, Ukraine – Wien, Österreich.

Übersetung von Johannes Haselsteiner


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