Notizen über Traser, aber nicht nur…

 

 Eine Rezension des Romans „Nur ein Traser

von Dr.phil. Igor Sokol (Schriftsteller aus Kiew)

Igor_Sokol

Schon beim ersten Kennenlernen mit einem ungewöhnlichen Buch versteht man, dass es von einem außergewöhnlichen Menschen geschrieben wurde, dessen Schicksal sich nicht in einem alltäglichen Rahmen abspielt. So ist das auch im Falle von Vyacheslav Astrov-Chubenko.

Dieser begabte junge Mann erweist sich als der geborene Astronom, der dank einer staatlichen Pfusch-Medizin seit frühester Kindheit an den Rollstuhl gefesselt ist. Er fand jedoch die innere Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen und eine Reihe von Helden zu verlängern. Helden, die heute oft unterschätzt werden, darunter N. Ostrowski und A. Maressjew. Mit seinem starken Charakter besiegte er sein fürchterliches Schicksal.

Außerdem offenbart er durch seinen Verstand Geheimnisse des Universums, welche für den gewöhnlichen Geist unerreichbar sind. Er lebt seit kurzem in Österreich und war auch in Namibia (leider, scheint es, dass man als Mensch mit besonderen Bedürfnissen leichter aus Europa nach Afrika reisen kann, als aus manchen Ländern der Ex-UdSSR), er sah die Sternbilder der Südlichen Hemisphäre und Vyacheslav erschaffte sich seine eigene Welt.

Diese Welt ist ein Gewebe seines Werkes, das sich zwischen den verschiedenen Genres bewegt. Die Kritiker könnten darüber streiten, um was es sich genau handelt: um ein populärwissenschaftliches Werk oder um Science-Fiction (welche von den Literatursnobisten nicht einmal als Literatur betrachtet wird). Aber darum geht es nicht.

Das Wichtigste ist, dass der Autor seinen Lesern das Wissen über die Gesetzmäßigkeiten von Zeit und Raum sowie über den Aufbau einer riesigen Welt um uns vermitteln kann und durch den Handlungsablauf ist er der Lage, sogar all jene auf eine ungezwungene Weise für die Astronomie zu begeistern, die normalerweise weit von dieser Thematik entfernt sind. Dabei ist es eine riesige Welt, in der unser Planet nur eines von vielen Sandkörnchen ist, er lebt und wächst wie ein lebendiger Organismus.

Sterne und Planeten werden, wie Lebewesen, geboren, schreiten entlang eines Lebensweges und sterben, dabei geben sie anderen Sternen und ganzen Galaxien neues Leben. Über die physikalische Natur von Zeit und Raum wurden schon zahlreiche Wälzer verfasst, aber sehr oft in einer Sprache, dass man es nicht lesen will. Das liegt nicht am Inhalt, sondern an der Form.

Sogar über das berüchtigte „Schwarze Loch“, von dem vermutlich schon jeder gehört hat, aber das sich nur wenige selber vorstellen können. So wendet der Autor Kniffe eines Abenteuerromans an, manchmal sogar einer logischen Denkaufgabe um den Leser für all das zu interessieren.

Wenn man die letzte Seite umgeblättert hat, erkennt man mit Vergnügen, dass man sich ein reichhaltiges Wissen über unüberblickbare Welten aneignen konnte, selbst wenn man einen Tag zuvor noch weit von der Welt der Wissenschaft entfernt war. Wir sind ein Teil dieser unüberblickbaren Welt und gewinnen einen kleinen Einblick in die Gesetzmäßigkeiten der Zeit und des Raums. Aber es geht nicht nur um das Wissen an sich, obwohl das natürlich auch wichtig ist.

Dank „Traser“ beginnen wir zu verstehen, dass dieselben Gesetze des Guten und des menschlichen Anstands auch zwischen den gigantischen „Objekten“ herrschen, genauso wie zwischen gewöhnlichen Menschen auf der Erde. Man darf nicht verschlossen oder egoistisch sein, man muss, wenn es notwendig ist, einander die Hände reichen, selbst wenn sich der andere in den Weiten des Alls befindet. Das ist eine einfache Wahrheit, ohne die ein Zusammenleben nur schwer möglich ist.

Obwohl das Buch wie ein Unterhaltungsroman anmutet, bringt es uns auf derartige philosophische Gedanken. Dafür gebührt dem Autor Dank. Ich wünsche ihm Erfolg, neue Büche und zahlreiche Lesungen vor einem interessierten Publikum! Ich denke, all das erwartet ihn in der Zukunft!

Dr.phil. Igor Sokol

Montag, 10. November 2014

http://agitprom2014.blogspot.co.at/2014/11/blog-post_27.html

 

 P.S.: Eine kleine inhaltliche Bemerkung von Vyacheslav Astrov-Chubenko.

Die Versuchung wäre natürlich groß, diese kleine, feine Anekdote über einen Schriftsteller beizubehalten, aber als Wissenschaftler müssen wir uns an die Fakten halten: Ich war noch nicht in Namibia! (Die hoffnungsvolle Betonung liegt auf „noch“.)  Meine Freunde der WAA waren dort, ich habe lediglich ihren Reisebericht über Namibia, den man auf Deutsch auf ihrer Homepage lesen kann, ins Russische übersetzt. Aber ich nahm bereits zweimal an ähnlichen Veranstaltungen auf der Krim teil. Deswegen kenne ich das, was im Bericht geschildet wird, prinzipiell auch aus eigener Erfahrung.

 Aber Igor hat dennoch in einem Recht: ich könnte, wenn ich wollte, von Österreich nach Namibia reisen. Selbst wenn der Weg sogar für Gesunde sehr beschwerlich ist…

Aber ansonsten vielen Dank für diese wunderbare Rezension!

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