Venustransit 2012, Wien Handelskai

Wien Handelskai, 06. 06. 2012

Beobachter:   Mag. Vera Chubenko und MSc Vyacheslav Chubenko (Mitglied der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie)

Datum:  06. 06. 2012

Zeit:       05:37 bis 06:55 Uhr MESZ

Ort:        Wien Handelskai

Instrument: Coronado PST, 40 mm, Linse UltraWide 9 mm + Canon PowerShot SX240 HS, 12 Megapixels. H-alpha-Licht.

Abstract:

Observations of the Venus Transit 2012 in Vienna with the Coronado PST, 40 mm, and Canon PowerShot SX240 HS, 12 Megapixels. H-alpha-light.

05h37m21s

             Bericht.

 

Dieser Venustransit war schon der zweite in unserem Leben (ich möchte keinesfalls sagen „der letzte“! :)). Der erste war 2004 (Russisch) in der Ukraine. Es war damals auch ein wunderschöner Tag und so konnten wir gute 5 Stunden 43 Minuten sehen, wie die Venus durch die Sonne durch gezogen ist – vom  ersten bis zum vierten Kontakt. Obwohl wir damals die Coronado (und vor allem eine solche „Canon“) noch nicht hatten, machten wir mit meinem 11-Zentimeter Newton-Teleskop „Mizar“ qualitativ hochwertige Beobachtungen und hatten viel Freude.

Diesmal hatten wir ehrlich gesagt Zweifel, ob es überhaupt klappen würde. Denn uns fällt es wirklich nicht leicht, so früh aufzustehen. Das Wichtigste für solche Vorhaben ist aber das Wetter, wobei die Prognose in diesem Fall sehr schlecht war. Doch es verhielt sich hier genauso wie während der Sonnenfinsternis 2011: Genau über Wien sowie Ostösterreich und genau zum richtigen Zeitpunkt öffnete sich ein Fenster zwischen den Wolkenfronten! Wir hatten wirklich großes Wetterglück!

Und überhaupt – wer in seinem Leben ein solches Ereignis wie einen Venustransit (und noch dazu gleich zwei Mal!) gesehen hat, ist meiner Meinung nach in jedem Fall ein glücklicher Mensch. Oder?

Bei diesem Venustransit hatten wir natürlich viel weniger Zeit als 2004. Aber durch unser jetziges Instrument wurde das kompensiert – wir waren gut auf das Geschehen vorbereitet. Für uns war es das Wichtigsten, dass wir sehr gute Fotos (und Videos) machen konnten.

Also, um 4.00 Uhr MESZ standen wir auf; wir kamen gegen 5:30 beim Handeskai vor den Millennium-Tower an.

vor den Millennium-Tower

vor den Millennium-Tower

Und bereits um 5:37 Uhr machten wir die ersten Foto- und Videoaufnahmen. Uns blieben noch zirka eineinhalb Stunden, um dem Ereignis beizuwohnen. Das ist natürlich nicht all zu lange, aber lange genug, um sehr viele hochqualitative scharfe Aufnahmen zu bekommen und, um diesen Venustransit einfach genießen zu können.

Sun. 06h06m54s

Sun. 06h 06m 54s

Unsere Aufnahmen erlaubten es sogar, einige Studien durchzuführen. Durch die Messungen anhand der Fotos konnte ich z.B. den Durchmesser der Venus berechnen. Allerdings muss man dies mit einer Präzisierung des „Perspektiveeffekts“ machen – denn die Proportionen sind verzehrt, da die Entfernung Sonne-Erde viel größer als die Entfernung Venus-Erde ist, weswegen die nähere Venus im Vergleich zur weiter entfernten Sonne deutlich größer wirkt, als sie tatsächlich ist. Im Endeffekt kam ich auf folgenden Durchmesser der Venus:

  12 118 +/- 393 Kilometer.

Der echte wissenschaftliche Wert lieg bei  12 104 Kilometer.

Man kann durchaus sagen, dass das für eine Amateurbeobachtung ein sehr gutes Resultat ist!

Nach anderen Messungen, die ich bereits mit Hilfe wissenschaftlicher Fotos des Venustransits (z.B. Fotos von den Observatorium SDO)  durchführte – ist der Durchmesser der Venus für Gewöhnlich um ein paar hundert Kilometer größer als in Realität. Man kann daher vermuten, dass das kein Fehler oder optischer Effekt ist, sondern, dass hier die dicke Atmosphäre der Venus eine Rolle spielt.

Zusätzlich kann man auf einigen unserer Bilder auch den sehr dünnen roten Rand um die schwarze Venusscheibe sehen.

Sun. 06h 26m 22s

Sun. 06h 26m 22s

 Vermutlich handelt es sich hierbei auch die Venusatmosphäre, wobei  ich  nicht genau weiß, wie sie im H-Alpha-Licht aussehieht.

Auch das berühmte „Tropfenphänomen“ erscheint auf einzelnen unseren Aufnahmen. Aber hier stimme ich mit Alex überein, dass das nur ein optischer Effekt ist, der durch die Instrumente und /oder unscharfe Bilder verursacht wird.

Der dritte Kontakt fand um 6h 37m 07s MESZ statt, der vierte – gegen 6h 54m MESZ. Jedenfalls kann man auf dem Foto von 6h 52m 45s auch noch die kleinste Kerbe in der Sonne sehen…

Das Beeindruckende an diesem Venustransit war nicht nur, dass ich von den erfolgreichen Beobachtungen profitieren und interessante Informationen bekommen konnte. Es war für uns auch ein unvergessliches Ereignis, das wir  zusammen mit unseren Freunden und Bekannten aus der WAA erleben durften. Und es war eine überaus nette Überraschung, dort Studenten aus meinem Programmierkurs von der Fakultät für Physik anzutreffen.

IMG_0167

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Einige unsere Fotos findet man hier:

http://www.waa.at/bericht/2012/06/20120606vtr/20120606vch05.html .

Text von Vyacheslav Chubenko.

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