Merkurtransit 2016

 

 

Beobachter:  Vyacheslav Chubenko (Slav Astrov), Igor Dzyubenko, Kateryna Pacher

Datum:  9. Mai, 2016

Zeit:       13:00 bis 14:30 Uhr MESZ

Ort:        1070 Wien

 

Instrument:

Coronado PST, 40 mm, Linse UltraWide 9 mm (H-alpha-Licht, 44x);

Sky-Watcher „Maksutov“ 127 mm + okular LUWAN16 (93.8 x) und gelber Filter;

Canon PowerShot SX240 HS, 12 Megapixels.

 

Himmel:

Teilweise bewölkt aber meistens klar.

 

Temperatur:

Etwa 20–25 Grad. Schwache Windböen.

 

Abstract:

Observations of the Mercury Transit 2016 in Vienna with Coronado PST, 40 mm, Sky-Watcher Maksutov 127 mm and Canon PowerShot SX240 HS, 12 Megapixels. H-alpha-light and yellow-light.

 

Телескоп Coronado. 13 h 29 m 44 s

Teleskep Coronado. 13 h 29 m 44 s.
Das schwarze Körnchen beim Sonnenrand links ist der Merkur.

 

 

    Bericht.

 

Dieser Tag war für mich auch der Tag des Sieges. Des Sieges über die Umstände, die scheinbar verhindern wollten, dass ich ich dieses seltene und prächtige astronomische Ereignis sehen kann. Aber gut, das ist jetzt schon nicht mehr wichtig.

 Kurzum:

 Das zentrale astronomische Ereignis des ganzen Jahres 2016 hat stattgefunden und ich konnte es beobachten! Das ist das Wichtigste. Ermöglicht haben das meine Freunde Igor Dzyubenko und Kateryna Pacher, die mir nicht nur geholfen haben, zwei Teleskope in den Hof zu bringen, sondern auch selbstlos bei der Beobachtung assistiert haben. Igor hat auch Fotos gemacht – gar nicht schlecht für seine ersten Teleskop-Aufnahmen, die er mit der Kamera in der Hand ins Okular fotografiert hat. Im Namen der gesamten Wissenschaft bekommen die beiden von mir größten Dank!

 Einen ähnlichen Dank bekommt auch das Wetter, mit dem wir wirklich richtiges Glück hatten: gleich nach Sonnenuntergang an diesem Tag wurde der Himmel mit dicken Wolkenschichten bedeckt — und zwar für die ganze folgende Woche! Das Wetter in Wien hat sich eigentlich sehr ähnlich — fast gleich — verhalten, wie hier beim Venusdurchgang 2012.

 Ja, es war einfach kolossal zu sehen, wie das schwarze Körnchen des kleinen sonnennahen Planeten in die riesige Sonnenscheibe eintritt! Wobei wir den eigentlichen Eintritt (sogenannter erster und zweiter Kontakt) leider verpasst haben. Der Merkur ist nicht so groß wie die Venus, sein Eintritt in die Sonnenscheibe dauert nur ein paar Sekunden,  und es ist gar nicht leicht das zu erwischen!

IMG_8327_Coronado+UltraWide9mm_13h29m30s

Coronado. 13 h 29 m 30 s. In der Nähe von Zentrum der Sonnenscheibe sieht man auch zwei kleinen Sonnenflecken.

 

IMG_8344_Coronado+UltraWide9mm_13h37m55s

Coronado. 13 h 37 m 55 s.

 

IMG_8346_Coronado+UltraWide9mm_13h38m28s

Coronado. 13 h 38 m 28 s.

 

IMG_8366_Coronado+UltraWide9mm_13h58m48s

Coronado. 13 h 58 m 48 s. Hier sieht man gut auch Protuberanzen am Rand.

 

IMG_8380_Mak127mm+LUWAN16(94x)_14h12m08s_Ausschnit

Teleskop „Maksutov“. 14 h 12 m 8 s. Ausschnitt.

 

MDG_8379_Mak127mm+LUWAN16(94x)_14h25m18s_1

Teleskop „Maksutov“. 14 h 25 m 18 s. Image from a video.

 

 Der Merkurtransit war auch eine überzeugende Demonstration des Größenvergleichs eines Sterns und eines Planeten.

Außerdem eine Demonstration der sogenannten Transitmethode, welche für Entdeckung der Exoplaneten (Planeten bei anderen Sternen) verwendet wird. Auf diese Weise arbeitet z.B. das Weltraumteleskop „Kepler“. Bei dieser Methode werden die winzigen Helligkeitsabschwächungen des Sterns registriert, während seine Planeten – von der Erde aus gesehen – regelmäßig vor der Scheibe ihres Sternes vorbeiziehen und dabei einen winzigen Teil seiner Strahlung mit ihren Scheibchen abdecken. Für so kleine Planeten wie Merkur ist diese Helligkeitsabschwächung so gering (auf dem Niveau der Messfehler der Beobachtungen), dass noch viel präzisere Instrumente notwendig sind als „Kepler“, um diese überhaupt registrieren zu können! Außerdem braucht man mehrjährige Serien von Beobachtungen, denn der Planet kann nicht mehr als millionste Teile der „Sternscheibe“ abdecken, und die von dieser Abdeckung verursachten Helligkeitsschwankungen können einfach in den kleinen natürlichen Helligkeitsänderungen des Sternes selbst „versinken“.

 Das war eine kurze Abschweifung in die Planetentransittheorie.

 Und in meinem Beobachtungsportfolio war dieser Merkurtransit bereits der dritte Transit – neben zwei Venustransiten von 2004 (russisch) und 2012.

 Was kann man noch – außer Genuss – aus Beobachtungen dieses Ereignisses herausfinden? Sehr viel eigentlich.

 Vor allem, so wie auch bei Venustransiten, die Messung der Sonnenparallaxe (und damit automatisch auch die Präzisierung der Sonne–Erde–Distanz) – wenn der Transit von verschiedenen Punkten der Erde beobachtet wird und der genaue Moment des Planeten-Eintritts auf der Sonnenscheibe registriert wird. Weiters, wenn man die Merkurposition und seine Bewegung auf der Scheibe genau misst, kann man die Geschwindigkeit des Planeten relativ zur Erde berechnen und auf diese Weise genauere Parameter der Merkur-Umlaufbahn bekommen, sowie sogar die Größe des Planeten abschätzen. Letztere kann man auch mit einer ganz anderen Methode herausfinden: Aus dem Vergleich der Größen des Merkur und der Sonne auf den fotografierten Aufnahmen (wie ich das auch mit Venus gemacht habe).

 Na gut, die Größe des Merkur ist heutzutage so genau bestimmt (so wie eigentlich die Größen für alle anderen großen Planeten des Sonnensystems auch), dass ihre Bestimmung aus dieser Beobachtung schon nur mehr eine Übung in der Praxis der Beobachtungsbearbeitung wäre. Außerdem wäre es natürlich auch die Prüfung unserer Fähigkeiten.

Es bleibt mir letztendlich wohl zu sagen, dass man den nächsten Merkurtransit am 11. November 2019 beobachten kann. 13 Jahre ist der maximale Zeitabstand zwischen diesen Ereignissen. Die Intervalle können auch 3.5, 7, 9.5, 10 und 13 Jahre sein.

Das war´s! Vielen Dank an alle, Feierabend! 🙂

   ——————

Katja Pacher

Kateryna Pacher

 

Me_2

Vyacheslav Chubenko (Slav Astrov) – ich

 

Me_1

Wieder ich

 

Ihr Vyacheslav Chubenko (Slav Astrov)


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DANKE!!!

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